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Mittwoch, 27. Februar 2013

Tellerand-Besichtigungen #1


Quelle: commons.wikimedia.org
Es ist schon wieder soviel, dass ich gar nicht weiß, ob ich es schaffe, das alles unterzubringen. Also einfach der Reihe nach.

Griechenland ignoriert Sparvorhaben

Der Titel ist Blödsinn. Sie ignorieren weder die Sparvorhaben noch sitzen sie das Ganze aus. Man erwartet Ergebnisse, wo sich noch keine anfinden können. Griechenland ist weder Waffenexporteur noch hat es eine große wirtschaftliche Zugkraft, dafür aber Bodenschätze, deswegen wird von Börsenseite so gern auf den Pleitegeier in Griechenland hingearbeitet. Die Griechen haben keine Lust auf das Sparprogramm, weil es stets die Menschen trifft, die ohnehin auf dem Zahnfleisch gehen. Darüber scheint man sich zwar von europäischer Seite aus im Klaren zu sein, doch man ignoriert es offenbar geflissentlich, den der Europäischen Zentralbank gehen die bisherigen Reformen nicht weit genug. Ich persönlich wünsche mir, was die Proteste angeht, eine ähnliche Situation in Deutschland zu sehen. Die Griechen haben die Demonstrationen über die sozialen Netzwerke wie Facebook & Co. organisiert. Und da schimpfen wir Deutschen: Der Grieche ist faul und er will nicht sparen. Und das kommt aus einem Land, das noch nie an einer richtigen Revolution beteiligt war. Der Grieche weiss sehr genau, wer an der ganzen Misere im Land Schuld ist.

Siehe hier  

In Deutschland kann man so ein rigoroses Sparvorhaben durchziehen, da kräht kein Hahn nach. Selbst wenn es die Ärmsten der Armen betreffen würde. Eine Million Menschen arbeiten als Aufstocker und haben kaum genug, um ihre Miete zu zahlen. Beschweren die sich? Jedenfalls nicht lauthals über ihre Situation. Was der Deutsche selber nicht zuwege bringt, nämliche einen ordentlichen Aufstand, dass gönnt er dem Griechen erst recht nicht.


Bauvorhaben Stuttgart 21

Guckt man sich das Bild an(siehe obigen Link), bekommt man den Eindruck der Spiegel macht Werbung für das Bauprojekt. Das Vorherbild ist grau und trist, während das Nachherbild geradezu strahlt vor Kontrast und Farben. Es fehlen nur noch die Lens Flares. Das Bauvorhaben nimmt mittlerweile Ausmaße wie jenes Berüchtigte in Berlin an, von dem in naher Zukunft wieder zu sprechen sein wird, seitdem es sich ein Deichgraf zur Aufgabe gemacht hat, besagtes Projekt erfolgreich zu beenden. Stuttgart 21 hingegen soll wirklich fertig werden und deswegen ist einem Peter Ramsauer auch egal, wieviele Milliarden der unwillige Steuerzahler noch hinblättern muss. Man müsse eben den Holzweg zu Ende gehen, den Mappus angefangen habe. Wer? Der!

Quelle: commons.wikimedia.org
Trololol

Die SPD spielt diesen Satz herunter. Die Regierung ist empört. Und die Deutschen? Offenbar auch! So etwas könne man nicht sagen, ein vielleicht zukünftiger Kanzler dürfe sich so nicht äußern. Deutschland ist eine humorlose Zone. Steinbrück schert sich nicht darum und im Gegensatz zu Sarrazin kommen bei ihm hin und wieder auch vernünftige Sätze zustande, weil er eben kein Leisetreter steinmeierischen Ausmaßes ist. Ich will keine Werbung für den Mann machen, aber ein Politiker wird ja wohl in der Öffentlichkeit sagen können, was er über Silvio Berlusconi wirklich denkt. Im Prinzip ist es völlig egal, wo, wann, wie er was äußert - der Satz ist völlig harmlos und stimmt sogar mindestens zur Hälfte oder halten die Herrschaften von CDU und FDP Beppo Grillo für einen ernsthaften Politiker? Immer schön auf "Empört" machen, aber in den eigenen Reihen jemanden wie Westerwelle zu Wort kommen lassen. Die paar vernünftigen Sätze, die unser Außenminister während seiner bisherigen Amtszeit auf die deutschen Medien losgelassen hat, lassen sich an einer Hand abzählen. Und dieser Auftritt gehörte sicher zu seinen negativen Glanzleistungen:


Damit will ich beide Sätze nicht vergleichen. Westerwelle labert Dünnschiss und hat von Geschichte so viel Ahnung wie jeder durchschnittliche Jurist - gar keine. Steinbrücks Äußerung zeigt deutlich, wie sehr die Selbszensur in unserem Land schon in den Köpfen der Menschen beginnt. Preussisches Erbe? Darüber darf gestritten werden. Interessant wäre eine solche Äußerung sicher aus dem Mund unserer Kanzlerin gewesen.
 

Dienstag, 26. Februar 2013

Italien gehört sich selbst und nicht Europa

Der Wahlkrimi in Italien ist vorbei. Jetzt geht das Hauen und Stechen los. Berlusconi, Italiens wohl "direktester" Politiker, der sich damals in die Achse des Chauvinimus zusammen mit Putin und Schröder einreihen konnte, steht auf der Kippe. Ja, Schröder. Erinnert sich noch jemand an seinen Auftritt am Wahlabend im Jahr 2005.


Und die Italiener hätten genau so einen gern wieder. Den Charmebolzen aus Mailand. Ihnen scheint gefallen zu haben, wie Berlusconi auf internationaler Ebene mit anderen Politikern umsprang, dass er sich gern kämpferisch gibt und Frauen behandelt, als wären sie nichts anderes als Freiwild. Wirklich? Es gab in der Vergangenheit massive Proteste gegen Berlusconis Verhalten. Nackte Frauen stürmten auf Berlusconi zu, als dieser kürzlich seine Stimme abgeben wollte. Mit seinen politischen Gegner springt Berlusconi "gnadenlos" um - er pöbelt gern. Nun, da die Regierung vor einer weitern Blockade steht, gibt er sich versöhnlich, weil er insgeheim doch Machtpolitiker ist. Jedes Mal, wenn jemand  derzeit in Italien einen Furz lässt, springen die Finanzmärkte im Dreieck. Den Italienern wird jetzt von der Presse vorgeworfen, sie würden nicht europäisch denken, weil die Wahl eben so verlaufen ist, wie es geschehen ist. Das Land ist zutiefst gespalten. Wird dem von seiten der Medien genug Rechnung getragen? Nein, es wird sich lustig gemacht.
Die Italiener wollen sich genau so wenig tot sparen wie die Griechen. Sie lehnen Montis Sparpolitik ab und dass jemand wie Berlusconi gern mit dem Wiederaustritt aus der EU kokettiert, finden sie daher sympathisch. Der Mann hat definitiv genug Dreck am Stecken, dass für mich persönlich eine Wiederwahl nicht in Frage käme, zumal ich ihn auch nicht in erster Instanz gewählt hätte, aber meine Meinung steht nicht zur Debatte. Die Italiener ziehen den Draw vor. Ob sie es gewollt haben oder nicht, aber alle Parteien müssen sich jetzt an einen Tisch setzen und auch wenn es viele Unkenrufe gibt, dass damit Europa gefährdet wird, ist es für Italien eher eine Chance aus der Misere. Sicher könnte man es aus politischen Erwägungen sämtliche Reformen blockieren, die jetzt durch den italienischen Senat und durch das Abgeordnetenhaus müssen. Es könnte aber eben auch das Gegenteil passieren. Die regierenden Parteien tragen ihre Entscheidungen zusammen durch beide Instanzen und stehen dafür ein. Wunschdenken? Eher Notwendigkeit, wenn in Italien etwas passieren soll. Was bleibt sonst? Einen weiteren Sparkurs werden die Italiener nicht mittragen und Berlusconi allein spitzt den Rotstift nur, wenn er seine Macht in Gefahr sieht. Auch er möchte keine Politik ohne Europa machen, selbst wenn er das wohl nie zugeben würde.